Mein Jahr im Norden

Wahrscheinlich hast Du gerade Abi gemacht…. Oder einen anderen Schulabschluss…. Oder festgestellt, dass was immer Du gerade tust, eigentlich nicht ganz das Richtige ist.

Tja – genau das Problem hatte ich letztes Jahr auch: ich stand da und meine ursprünglichen Träume (Ausland, Mission, andere Kulturen kennenlernen) hatten sich irgendwie in Luft aufgelöst. Also dachte ich mir: Hey, vielleicht ist Deutschland ja doch nicht ganz schlecht… Und so bin ich beim diakonischen Jahr gelandet.

Leider war das aber auch nicht sofort die Auflösung all meiner Fragen. Bei den Bereichen, die für mich in Frage kamen war mir schnell klar, dass Tagespflege doch irgendwie zu viel Routine ist. Und bei einer anderen Stelle, die ich schon als für mich gesichert wähnte, gab es dann unerwartet interne Probleme. Also stand ich plötzlich Mitte Juli immer noch ohne Plan da- ausgerechnet als wir gerade im Urlaub in Südtirol waren. Das ist nicht der allerbeste Ort ist, um sein Leben (oder zumindest das nächste Jahr) zu planen…

Tja und dann hat sich plötzlich, mit Sicherheit durch Gottes Hand, eine Stelle in der FeG Aurich aufgetan. Ich war am Anfang noch ziemlich verunsichert, weil ihre Wünsche mir viel zu anspruchsvoll klangen. Am liebsten sollte ich

  • eine Juleica haben (ich musste erstmal googlen, um herauszufinden, dass es sich dabei um eine anscheinend weitverbreitete Jugendleiterkarte handelt)
  • Erfahrung und Spaß an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen haben (ich habe weder kleine Geschwister, noch anderweitig viel mit kleinen Kindern zu tun gehabt…)
  • und direkt im August anfangen (mein Bewerbungsgespräch war erst am 11.08.)

Aber ich dachte mir: Anrufen kann nicht schaden und aus einem Anruf wurde schnell eine Fahrt nach Aurich (eine kleinere Stadt in der Nähe der ostfriesischen Inseln). Ich wurde total lieb aufgenommen. Es wurde sehr schnell klar, dass meine Bereitschaft Dinge auszuprobieren und Neues zu lernen, etwas war, was gut in die FeG passte. Ich hätte mir also gar nicht so große Gedanken machen müssen. Kurz und gut: Ich bekam die Stelle für mein BFD in Aurich und wurde auch noch ganz spontan zum Sommerfest eingeladen, sodass ich erst eine Nacht später als geplant nach Hause zurückkehrte.

Die paar Tage bis mein Jahr im September begann, vergingen dann ganz schön schnell. Mein erstes Seminar fühlte sich allerdings irgendwie wie eine Freizeit an. Das lag nicht nur an der angenehmen Atmosphäre, sondern auch daran, dass ich noch kurz zu meinen Eltern zurückkehrte, bevor ich meinen ganzen Hausstand nach Aurich brachte (wo ich direkt zu Beginn auch noch einmal wo anders unterkam, weil meine Gastfamilie im Urlaub war.)

Dazu ist zu sagen: Das ich in einem Zimmer von Mitgliedern der Gemeinde wohne, hat mir auf der einen Seite sehr schnell Kontaktpersonen gegeben und auch das Gefühl wirklich in die Gemeinde zu gehören. Auf der anderen Seite muss man sich natürlich an andere Personen gewöhnen, Kompromisse schließen und es war halt leider einfach nicht das gleiche, wie wenn ich in eine WG hätte ziehen können. Die automatische Möglichkeit, mit anderen Gleichaltrigen Kontakt aufzunehmen hat mir gerade am Anfang echt gefehlt.

Ich wurde unglaublich freundlich in die Gemeinde aufgenommen, total lieb begrüßt, vorgestellt und auch mit einem Gebet für mich willkommen geheißen. Und gleich am ersten Tag (einem Sonntag) wurde ich voll eingespannt: erst Gottesdienst, dann ein Flohmarkt und schließlich Jugend mit gemeinsamen essen.

Die „Beschäftigungsrate“ verläuft bei mir allerdings in Wellen. Mal ist irgendwie die ganze Zeit was zu tun: Man hat jeden Tag was vor, muss für alles noch irgendwas vorbereiten, ist irgendwie die ganze Zeit unterwegs. In anderen Wochen gibt es nur die „regulären Termine“- in meinem Fall: Montagsmorgens Treffen mit  dem Pastor Axel, montags nachmittags ein Entdecker (Haus)-Kreis, mittwochs Bürozeit, gemeinsames Gebet, und nachmittags Alleecafé oder ein Kinderactionnachmittag, den ich mit aufgebaut habe. Freitags alle zwei Wochen Biblischer Unterricht für Teens (BU), sonntags Gottesdienst und Jugend. Naja und natürlich noch Dinge vorbereiten, irgendwelche Treffen haben, Infozettel falten…

Wenn man sucht, lässt sich eigentlich immer was finden. (Aber wenn man nicht sucht, hat man auch zwischendurch sehr ruhige Wochen.)

Die Dinge, die natürlich besonders spannend sind, sind die unvergleichlichen Aktionen. Wir hatten im November Lego-Tage und im März die Holzbauwelt (bei der wir mit Kapla-Bausteinen eine große Stadt gebaut haben). Ein richtig schönes BU-Wochenende, dass BUJU an Pfingsten, und im Sommer werde ich noch mit auf eine zweiwöchige Frankreich-Freizeit fahren. Außerdem gibt es ein Baseballcamp, bei dem sogar amerikanische „Baseball-Trainer“ dabei sind, worauf ich auch schon total gespannt bin! Im Herbst findet auch eine Gemeindefreizeit statt und ich muss sagen, dass ich meinen Nachfolger ein bisschen beneide, weil er (oder sie) daran teilnehmen kann… (und ich wahrscheinlich nicht L)

Gerade am Anfang war ich sehr froh darüber, dass ich mir die vielen unterschiedlichen Dinge und Aktionen anschauen durfte. Zum Glück wurde ich in die Aufgaben, die mir neu waren, gut eingeführt. Andachten halten, Kindernachmittage vorbereiten oder mir überlegen, wie der biblische Unterricht stattfinden soll, war mir nämlich ziemlich fremd. Aber ich durfte auch viele andere Dinge ausprobieren: Artikel für unsere Infozettel schreiben, die jeden Sonntag ausgelegt werden, ein Kindergruppenkonzept miterarbeiten, an einer Freizeit und am Baseballcamp vorbereitend mithelfen, Anmeldelisten schreiben, aber auch im Gottesdienst moderieren, Musik machen…

Zwar liegt ein Schwerpunkt für die Gemeinde besonders in der Kinder- und Jugendarbeit, allerdings gibt es auch viele, viele andere Möglichkeiten meine eigenen Talente und Erfahrungen einzubringen, was ich richtig cool finde. Außerdem sind die Mitglieder der Gemeinde wirklich einfach nett.

Auch in meiner Beziehung zu Jesus bin ich in dieses Jahr gewachsen. Man setzt sich doch noch mal anders mit ihm auseinander, wenn man anderen Menschen begegnet, andere Gedankenanstöße bekommt und wirklich regelmäßig im Gottesdienst ist. Sich zu überlegen, wie man Jesus Worte, Zusagen und Handlungen mit anderen teilen und an sie vermitteln kann, tut natürlich auch sein Übriges. In unserem Entdeckerkreis und dem mittwöchigen Bibellesen mit anschließendem Gebet durfte ich Jesus ebenfalls immer wieder erleben.

Meine Zeit bei den Seminaren, die wirklich angenehm über das Jahr verteilt waren, wurde ebenfalls von guten Gesprächen und gemeinsamen Lobpreis geprägt. Aber wir hatten auch einfach Spaß, haben uns über unsere Arbeit ausgetauscht und uns auch gemeinsam Gedanken über unsere (berufliche) Zukunft gemacht. Zum Auftanken waren die eingeschobenen Wochen für mich wirklich gut!

Was mir gerade am Anfang bei meiner Arbeit schwer gefallen ist, war, mir selber Richtlinien zu setzen, um meine „freie“ Arbeitszeit möglichst gut einzuteilen. Leider neige ich zu „Aufschieberitis“. Was dann meistens darin endet, dass ich meine eigentlich festen freien Tage für all die Dinge nutzen muss, die ich vorher nicht gemacht habe…. Allerdings glaube ich, dass ich so nach und nach auch in diesem Bereich dazu gelernt habe (selbst, wenn ich darüber noch immer nicht ganz hinweg bin.)

Eine andere Sache, die mir schwer gefallen ist, war es Freundschaften aufzubauen. Zwar gibt es in der Jugend ein paar Gleichaltrige; allerdings wollte ich auch gerne außerhalb der Gemeinde Leute finden. Da hätte ich es schön gefunden, in einer WG zu leben…. Aber wer weiß, was sich für den nächsten BFD-ler noch ändern kann.

 

Aber in der Kürze liegt die Würze:

Was dich nach Aurich ziehen könnte sind:

  • Supernette Gemeindemitglieder
  • Spannende neue Aufgaben und Erfahrungen, die dich fordern, aber nicht überfordern
  • Nur 30 km Abstand zum Meer- man kann einen Tagesausflug nach Langeoog machen

Aber das war noch nicht alles:

  • Du kannst an coolen Dingen wie einer Gemeindefreizeit, einem Baseballcamp mit Besuch von Amerikanern und einer genialen Sommerfreizeit teilnehmen,
  • Dich bei allem was dich an Gemeindearbeit interessiert, bedenkenlos ausprobieren und
  • Deine eigenen Vorstellungen, Träume und Talente im Bereich der Gemeinde einsetzen.
  • Und last but not least, steht Jesus hier merklich im Mittelpunkt, sodass deine Beziehung zu ihm in diesem Jahr wirklich wachsen kann.

Ich fände es sehr cool, wenn jemand mich ablösen und nach Aurich kommen würde!!!:)

(und falls du noch irgendwelche Fragen (oder Bedenken) hast, melde dich gerne bei mir!)

Auf jeden Fall wünsche ich dir alles, alles Gute bei deiner Entscheidung und Gottes reichen Segen!

Sarah

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