Besuchsreise des Missionsteams nach Almería/Spanien

Ob Besuchsreise, Dienstreise, Urlaub oder Ermutigungsreise – vor unserem Auf­bruch tauchten allerlei verschiedene Bezeichnungen für unsere fünf Tage Spanien auf. Waren wir vor allem da, um Karmen und Alfonso beim Aufbau des Cafés zu helfen? Oder ging es doch eher darum, ihnen ermuti­gende Wünsche, Gedanken und Gebete mitzugeben? Wollten wir uns eher als Touristen Almería anschauen oder doch möglichst viel Zeit mit Karmen und Alfonso verbringen?
Was feststand war, dass wir Karmen und Alfonso, ebenso wie ihre Arbeit in Spanien, besser kennenlernen wollten, dass wir die Beziehungen zwischen ihnen und unserer Gemeinde stärken wollten, dass wir gemeinsam herausfinden wollten, was Gott sich für uns und diese Reise vorgestellt hatte.
Am Ankunftstag trafen wir uns abends mit Karmen und Alfonso in einer Tapas-Bar und überreichten ihnen das am vorletzten Sonntag entstandene Gemeindefoto und eure vielen guten Wünsche, über die sie sich sehr gefreut haben. Erster Gesprächs­punkt des Abends: Wen erkenne ich auf dem Foto eigentlich noch wieder? Es waren gar nicht so wenige…
Am nächsten Morgen ging es dann in das Café. Auf dem ersten Blick fiel es mir in der langen Front der Hausfassa­den entlang der gut befahrenen breiten Straße gar nicht auf. Dann sprang die Ankündigung „LifePointCenter“ aber doch sehr einladend ins Auge.
Der Aufforderung des heutigen Predigttextes: „Baut euch Häuser und richtet euch darin ein.“ war im Café bereits Folge geleistet und ein Großteil der Arbeit schon getan worden: Ein gemütlicher Bereich, der deutlich erkennbar von dem dahinter­liegenden Gemeinderaum abgetrennt war, voll moderner, selbstgebauter Paletten-Möbel und vielen dekorativen Kleinigkeiten, die einem direkt das Gefühl gaben, an­gekommen zu sein. Aber ein paar Dinge fehlten natürlich trotzdem noch:
Axel und Markus bauten an einer Erhöhung eines Paletten-Tischs und wann immer wir danach im Café auftauchten, zeig­te sich so etwas wie Bauarbeiterstolz: Sind die neuen Tisch­beine immer noch stabil? Steht der Tisch jetzt schief? Und müssten sie nicht auch noch ganz weiß angemalt werden?
Und weil das kleine Gärtchen vor dem Haus vor allem durch den umliegenden weißen Zaun als Gärtchen zu erkennen war, passt auch der zweite Teil des Verses: „Legt euch Gärten an, denn ihr werdet noch lange ge­nug dortbleiben, um zu essen, was darin wächst!“ (Jeremia 29,5). Angela war plötzlich Feuer und Flamme und entfernte all das Unkraut aus dem kleinen Gärtchen, sodass es mit frischer Erde, Wasser und den nun endlich erkennbaren Pflanzen wie neu wirkte.
Dagegen durfte ich mit Karmen zusammen ein paar spanische Schulen von innen anschauen, um dort Werbeflyer für das Café zu verteilen. Obwohl ich vor allem in der Ecke stand, als Karmen ihre Projekte vorstellte und Flyer verteilte und mich är­gerte, dass ich kein Spanisch verstehe, war es doch eine interessante Erfahrung.
Nach diesem ersten, arbeitsreichen Morgen war es mittags aber auch endlich so weit, das erste Mal mehr als einen Fuß ins Meer zu setzen und sich dann abends die Stadt ein bisschen anzu­schauen, besonders die maurische Festung Alcazaba, die uns einen wunderschönen Ausblick über die Stadt verschaffte. Auch Mittwoch waren wir gemeinsam in der Stadt unterwegs (Markthalle, Kathedrale, Altstadt …), bis wir abends zur Gemeinde gingen, um dort am Gebetstreffen teilzunehmen. Wir waren schon ein bisschen früher dort, sodass wir noch ein wenig vom ersten Treffen des „English-Cafés“ miterleben konnten.
Mit 20-minütiger Verspätung startete der Gebets­kreis. Axel gab uns einige Gedanken zu Nehemia 8,10 mit, die Karmen auch ins Spanische über­setzte, bevor Antonio, die Leitung des Abends übernahm, bei dem in zwei Gebetsrunden, Dank und Fürbitten vor Gott gebracht wurden. Es war nicht nur ein schönes Gemisch zweier verschiede­ner Sprachen, sondern vor allem deshalb für uns ungewöhnlich, weil ein Mikrofon die Runde machte, damit auch eine schwerhörige Dame alles mitbekommen konnte. Wir waren mehr als 15 Personen und man hat gespürt, dass das Gebet ein wichtiger ge­meinsamer Augenblick für die Gemeinde ist.
Danach waren wir noch zu fünft (einschließlich Pastor Antonio, der in Deutschland aufgewachsen ist und somit ebenfalls Deutsch spricht) bei Karmen und Alfonso zu Hause zum Essen eingeladen. Da sich aber sowieso schon alles verspätet hatte, und das Kochen ja auch so seine Zeit dauerte, aßen wir erst nach 22:30 Uhr. Dafür war der von Alfonso selbst geangelte und zubereitete Fisch wirklich superlecker und die Un­terhaltung reichte von der Gemeindearbeit, über die schwierige Arbeits- und Aus­bildungssituation spanischer Jugendlicher, bis hin zu überraschenden gemeinsamen Bekannten von Antonio und mir.
Donnerstag besuchten wir gemeinsam mit Karmen und Alfonso die Café-Arbeit in Vícar, die so etwas wie ein Vorbild für Almería ist. Dort trafen wir einige Amerika­ner, die schon seit rund 10 Jahren in Spanien missionarisch tätig sind und konnten uns mit ihnen über ihre Arbeit unterhalten, die in Vícar besonders auf Muslime fokus­siert ist.
Dann durften wir noch das Gewächshaus eines Mitgliedes der Gemeinde in Vícar „besichtigen“. Was mich dort besonders beeindruckte, war die vollkommene Abhängigkeit von einer guten Ern­te, deren Erlöse den Familienunterhalt sichern und die Vorleistungen für die nächste Pflanz­saison abdecken müssen und die nie ausreichen, um für das Gewächshaus etwas Stabileres zu ver­wenden, anstatt es mit einer ein­fachen Plastik­plane zu decken. Andererseits beeindruckte die offene, freundliche Art, uns alles zu zeigen und sogar von den Paprika kosten zu lassen. Sie wie einen Apfel zu essen, war schon ziemlich witzig.
Mittags waren wir in der Gemeinde in Almería zum Paella-Essen eingeladen: Wir saßen draußen vor dem Café zusammen mit Pastor Antonio, Karmen und Alfonso, den Shortys der Alli­anz-Mission und einem jungen deutschen Ehepaar auf Spanien­tour. Karmen und Alfonso haben in der Nachbarschaft bereits den Ruf „immer am essen“ zu sein.
Wir haben das Gefühl, dass Karmen und Alfonso genau an der richtigen Stelle sind und das Gott ihre Arbeit dort segnet und gedeihen lassen wird.

Sarah Bunde

Dieser Beitrag wurde unter Missionsteam veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.